Social Media: Lernen von Barack Obama

Obama auf Facebook
Obama auf Facebook

Die Rolle von Social Media und Web 2.0 Komponenten in Barack Obamas Wahlkampf wurde schon im letzten Jahr kontrovers diskutiert. Ohne die Möglichkeiten der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien hätte der heutige Präsident wohl kaum eine Chance gehabt, sich gegen seine Mitstreiter durchzusetzen.

Alles nicht neu, warum also dieser Artikel?

Auch die deutschen Politiker versuchen sich im Web zu positionieren, es wirkt jedoch wie ein Strohfeuer, das für den Wahlkampf angefacht wird.

Obama hingegen versteht es, auch abseits des Wahlkampfes, vor allem das in den USA sehr machtvolle Instrument Facebook für seine Zwecke einzusetzen, zur Mobilisierung für seine Reformen und für den Schulterschluss mit den Studenten.

Der Unterschied zu anderen Politikern ist: Obama nutzt das Web nachhaltig!

Veranschaulichen will ich die Behauptung an Barack Obamas Facebook Profil. Seit dem US Wahlkampf 2008 bin ich einer von aktuell 6.697.237 Supportern von Obama auf Facebook. Ich verfolge seine Aktivitäten eher sporadisch, aber in der letzten Woche sind mir 2 Dinge aufgefallen, wie Obama über Facebook Politik macht, diese will ich kurz erläutern:

 

1. Obama nutzt Viraleffekte:

Bei einem amerikanischen Freund las ich letzte Woche eine sehr tiefgründige Statusanzeige, mit der Bitte um "retweet" (Weiterverbreitung):

 

"No one should die because they cannot afford health care, and no one should go broke because they get sick. If you agree, please post this as your status for the rest of the day."

 

Ich dachte mir, Junge, da hat sich aber jemand Gedanken um Amerikas Sozialsystem gemacht, okay, ich poste das mal in meinem Status...kurze Zeit später landete ich auf Obamas Profil und sah, dass der Ursprung dieser Nachricht von seinem Profil ausging.

Wenn man bedenkt, dass seine Reformpolitik (flächendeckende Krankenversicherung) in den USA aktuell heiß diskutiert wird, ist dies ein kluger Schachzug. Auch wenn diese Kurznachricht etwas polemisch daherkommt, so regt sie die Facebook Gemeinde zumindestens zum nachdenken an. Durch jeden, der diese Nachricht weiterleitet, gewinnt die Aussage an Glaubwürdigkeit und somit gewinnt Obama latent Unterstützung für seine Reformen.


2. Obama sucht den Schulterschluss zur Facebook Gemeinde:

Die höchste Nutzung von Social Media Plattformen wie Facebook liegt bei Schülern und Studenten, für die diese Plattform auch ursprünglich entwickelt wurden. Obama und seine Berater sind sich dieser Tatsache bewusst und sie suchen den Kontakt zu dieser Gemeinde. Dabei beweisen sie gutes Fingerspitzengefühl.

Gestern begann das neue Schuljahr/Semester in den USA und Obama gab seine back-to-school Rede, in der er die Studenten dazu ermutigte ihre Ausbildung ernst zu nehmen. Auf Facebook bekam Obama daraufhin ein enormes Feedback, siehe unten:

 

Obama und sein Team (u.a. Chris Hughes, Mitbegründer von Facebook) haben diese Art der Kommunikation verstanden und das wird gewürdigt. Einige deutsche Politiker und ihre Berater sollten sich noch einmal ganz genau anschauen, wie man es richtig machen kann. Ein Studivz- oder Twitter Account zur Wahl reicht nicht aus, dieses Medium muss auch danach sinnvoll und vor allem authentisch genutzt werden. Dann ist es auch erfolgsversprechend!

 

Für Interessierte hier die gesamte back-to-school Rede (18:59 min)

Falls ihr die Zeit habt, es lohnt sich!

Nachtrag (09.09.2009, 14:55 Uhr) Der Unterschied zwischen dem deutschen Wahlkampf 2009 und dem US-Wahlkampf 2008:

"Amerika hatte uns ein bißchen verwöhnt. Dort hat Wahlkampf stattgefunden, wie die Amerikaner das Geschäft zu tätigen pflegen: Man holt den Kunden dort ab, wo er steht und nicht man selbst. Man lernt ihn gut kennen, umgarnt ihn, macht es ihm so einfach, wie möglich. Der virtuelle Wahlkampf in sozialen Netzwerken spielte eine ernst zu nehmende Rolle."

via: www.synecstasy.com "Entertain us"

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Kommentare: 1
  • #1

    synecstasy (Mittwoch, 09 September 2009 14:36)

    Wir sind - schon seit langem - genau deiner Meinung: http://www.synecstasy.com/2009/08/07/entertain-us/
    Leider glaube ich nicht, dass die guten Ratschläge in diesem Wahlkampf noch eine Rolle spielen werden. Der Zug ist wahrscheinlich abgefahren.