Prosument 2.0

Prosumer Chart via: www.consumerist.com
Prosumer Chart via: www.consumerist.com

Wer oder was ist ein Prosument? Du, ich, wir alle sind Prosumenten!

Kurz: "Prosument" ist die Zusammensetzung der Begriffe Produzent (Professional) und Konsument (Consument). Der Begriff wurde 1980 vom Zukunftsforscher Alvin Toffler im Buch "The Third Wave" geprägt.

Es geht um die Veränderungen der traditionellen Arbeit und Ökonomie wie wir sie kennen. Durch das Web 2.0 werden neue Möglichkeiten eröffnet, die eine historische Tragweite haben können. Der passive Konsument von Produkten und Dienstleistungen kann zum aktiven und mündigen Partner von Unternehmen werden.

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2009-08-19

Die Debatte ist nicht neu, die mögliche Tragweite der Thematik hingegen schon. Hier erstmal ein Video (40 sek.) über den Prosumer am Beispiel YouTube. Das zwar mit einfachsten Mitteln gemacht ist, aber die Thematik wird gut und einfach erklärt:

Alvin Toffler beschreibt 1980, wie sich ein Wandel im Verhältnis von Konsumenten und Produzenten vollzieht. Beschrieben wird, wie die Grenzen immer mehr verwischen, weil der traditionell eher passive Konsument, auf einmal seine eigene Arbeitsleistung und Kreativität in Produktionsprozesse mit einbringen kann.

Toffler führt das Beispiel an, wie maßgeschneiderte Klamotten vom Konsumenten entwickelt werden. Die Kleidung kann man von zu Hause aus entwerfen, am Computer, der wiederum eine Schnittstelle zum Hersteller hat, um die Daten zu übermitteln.

1980 hörte sich solch ein Szenario wahrscheinlich noch etwas utopisch aus, aber 29 Jahre später, ist diese Szenario Realität geworden. Wer will, kann sich seine Klamotten, seinen Schmuck oder auch sein individuellen Sneaker produzieren lassen. Die Begriffe "Mass Customization" und "production-on-demand" waren damals noch nicht erfunden, die Prinzipien hingegen schon, nur fehlte der technologische "Enabler" für diese Wettbewerbsstrategie.

Mit dem Web 2.0 haben wir heute den "Enabler" für Mass Customization und damit die Schnittstelle zwischen Kunden und Herstellern geschlossen.

 

Der Kunde kann, wenn er aktiv werden will zum Prosumer werden:

 

"Der Konsument wird Teil desProduktionsprozesses und somit zu einem gewissen Grad auch zum Produzenten des Gutes."

(via Wikipedia: Prosument)

 

"In zwanzig Jahren wird der kreative Konsum zu den schöpferischsten Tätigkeiten werden...das heißt, man wird seine Kleider selber entwerfen oder an Standardmodellen Veränderungen vornehmen, so dass der Computer per Laser die passenden Stücke zurechtschneiden und von numerisch gesteuerten Maschinen zusammennähen lassen kann..."

(Toffler: S. 281)

 

Der Begriff "Prosumer" ist nach 1980 erstmal wieder aus dem wissenschaftlichen und öffentlichen Interesse verschwunden, erlebt aber durch das Web 2.0 eine Renaissance, die zu einem Paradigmenwechsel innerhalb unseres Wirtschaftssystems führen kann.

Diese Prozesse, soweit sie eine breite Bevölkerungsschicht erreichen, müssten zu einem radikalen Umdenken auf Seiten der Unternehmen führen, die ihre Kunden als passiven Konsumenten ihrer wirtschaftlichen Güter betrachten. Die Wirtschaftstheorie und das Marketing müssten umdenken und ein anderes Verständnis für Ihren Kunden entwickeln.

Aber auch Medienunternehmen und die Politik wären (sind) von diesem Wandel betroffen. Auf digital-conversation.de kann man mehr zur Thematik "Prosumer und Medien" lesen, sehr empfehlenswert um die Tragweite einer solchen Entwicklung zu verdeutlichen.

 

Ich denke dieser Wandel hat noch nicht alle Bevölkerungsschichten durchdrungen, aber für die "Digital Natives" gehört das Prosumententum schon zum alltäglichen Leben. Deutlich wird das, wenn ich mir ein paar der beliebtesten Internetseiten anschaue, wo wir zum Prosumer werden:


PS: Dadurch, dass ich diesen Artikel hier geschrieben habe und du ihn liest und eventuell auch noch einen Kommentar hinterlässt, sind wir beide zu Prosumern geworden.

 

Hier noch ein Video, wie die Entwicklung in den kommenden 40 Jahren laufen könnte. Das Video ist ziemlich reißerisch, aber vermittelt eine Vorstellung davon, was passieren könnte:

Ich würde mich freuen, wenn die Leser dieses Artikels mit der Kommentarfunktion ihre Meinung zur Entwicklung teilen würden, danke.

(Nachtrag, 20.08.2009)

Wer sich einen Überblick zu derzeit verfügbaren Mass Customization Produkten und Angeboten verschaffen will, der kann sich auf der Plattform www.egoo.de ein Bild machen. Es sind vor allem deutsche Unternehmen auf egoo vertreten, aber auch internationale Firmen wie M&M oder Nike haben den Trend Mass Customization erkannt und in ihr Programm aufgenommen.

von Dirk Fuhlhage

 

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Kommentare: 11
  • #1

    Falk Mahlendorf (Mittwoch, 19 August 2009 19:20)

    Hallo Dirk,

    wieder ein gelungener Artikel von Dir. Das erinnert mich gerade an ein Buch, welches ich lese: "Was würde Google denken". Da beschreibt er wunderbar das Verhältnis eines Bloggers zu Dell und welche Lawine (Frust abgelassen) er damit auslöste. Kurz um, viele die sich dem Blogger anschlossen, wurden später ein Teil des wesentlich besseren Services von Dell. Besser gesagt zu Prosumern.

    Grüße von der Ostsee
    Falk (RostockStartUps)

  • #2

    Dirk (Mittwoch, 19 August 2009 19:36)

    Hey Falk, wir lesen dann wohl parallel :-) Ich habe WWGD zu etwa 1/3 gelesen und die Beispiele die Jarvis anspricht sind sehr gut und lebhaft erklärt. Zum Dell Beispiel ist mir vor allem der Satz des Marketingleiters von Dell hängen geblieben: "Unseren Kunden zuzuhören hat sich als die beste Marketingstrategie erwiesen, die man sich nur denken kann." (S.86)
    Wie viele Unternehmen hören denn überhaupt ihre Kunden?

  • #3

    Heiko [egoo.de] (Mittwoch, 19 August 2009 20:52)

    Sehr interessant, dass vor rund 20 Jahren schon erkannt wurde dass im Prosumenten / im Mass Customization die Zukunft liegt.

    Und dabei stehen wir gerade noch am Anfang. Wenn die 3D-Druck Industrie in ähnlicher Geschwindigkeit voran schreitet, dann wird noch einiges mehr auf uns zukommen.

    PS: Ist das zweite Zitat (Toffler: S. 281) wirklich aus dem Jahr 1980?

  • #4

    Dirk (Mittwoch, 19 August 2009 22:16)

    Hallo Heiko, also das Zitat stammt aus dem Buch "Die Zukunftschance. Von der Industriegesellschaft zu einer
    humaneren Zivilisation", von Alvin Toffler aus dem Jahre 1980. Das Zitat allerdings ist Robert H. Anderson, Spezialist für computergesteuerte Fertigungsverfahren, der in dem Buch zitiert wird.

  • #5

    Roland (Freitag, 21 August 2009 12:57)

    Auf jeden Fall ein sehr spannendes Thema - hier wird sich noch so wahnsinnig viel tun und wir freuen uns drauf ;)

  • #6

    mlle a. (Montag, 24 August 2009 13:19)

    Hier mischen sich aber auch noch Entwicklungen wie z.B. "sellsumerism" mit hinein, und so überraschend, dass schon vor 20 Jahren erkannt wurde, in welche Richtung unser Konsumverhalten gehen wird, ist die Sache nicht wirklich, wenn man z.B. an die Bedürfnispyramide von Maslow und auch von Haddock denkt.

  • #7

    René [Produkte-Individuell.de] (Dienstag, 31 Januar 2012 15:05)

    Neu könnte man Prosument auch so verstehen, dass der Konsument selbst zum Opinion Leader wird, also über sein Konsumverhalten berichten kann! Echt spannend die ganze Sache!

  • #8

    Michael Simharl (Montag, 10 Dezember 2012)

    Und im Zusammenhang mit Direktvertrieb und Multilevel-Marketing wird der Begriff Prosument noch einmal ein wenig anders definiert. Und bezeichnet sehr viel besser den modernen Konsumenten

  • #9

    Adriano Russo (Donnerstag, 10 September 2015)

    Super zusammenhang! ich bin zwar hässlich. aber super Text!

  • #10

    timo (Donnerstag, 10 September 2015 13:38)

    hab lust zu lutschen

  • #11

    Adriano Russo (Donnerstag, 10 September 2015 13:38)

    dann lutsch mir doch einen ! ich bin schwul!