Piratenpartei unter "Sonstige"?

Statistik via www.forschungsgruppe.de
Statistik via www.forschungsgruppe.de

Anfang Juli habe ich in einem Artikel die Frage gestellt: "Was herscht im Internet?" Die Frage war auf die Piratenpartei in Bezug auf die traditionelle Politik in Deutschland ausgerichtet.

Es ist spannend sich die aktuellen Entwicklungen der Piraten anzuschauen. Während sie in der offiziellen Sonntagsfrage noch unter "Sonstige" aufgeführt sind, dominieren sie die Online-Umfragen und Mitgliederzahlen in Gruppen mit einem Vorsprung, den man kaum glauben kann, schaut selbst:

Alle vier Jahre gewinnen die Umfragewerte der Parteien an Brisanz, nämlich dann, wenn die Bundestagswahlen vor der Tür stehen. Seit der letzten Bundestagswahl 2005 wird, wie selbstverständlich, auch die Partei "Die Linke" in den Umfragen als Option aufgeführt. Schwieriger wird es bei den Parteien, die unter "Sonstige" aufgeführt werden. Ja man hat schon von diesen wirren Splitterparteien graue Panther, bibeltreue Christen und von der komischen NPD gehört, aber wie ist denn das Stimmenverhältnis, das unter diesen Parteien herrscht?

Ebenfalls unter "Sonstige" wird die Piratenpartei gelistet, somit ist sie für den geneigten Tagesthemen Zuschauen eine eher unrelevante Größe in Wahlkampf 2009.

 

An dieser Stelle kommt ein großes ABER, denn während sich die grauen Panther oder die bibeltreuen Christen schon seit Jahren in dieser Rubrik rumschlagen, steht die Piratenpartei in diesem Jahr zum ersten mal zur Disposition und führt im Internet die relevanten Umfragen mit einem deutlichen Vorsprung. Ich habe nicht schlecht gestaunt:

Offizielles Politbarometer der Forschungsgruppe Wahlen: Jede Woche werden die neuesten Umfragewerte der Bundesrepublik veröffentlicht, die dann auch in sämtlichen Medien interpretiert werden. In dieser Umfrage läuft die Piratenpartei "noch" unter den 6 % für "Sonstige" mit. Damit sind sie eine unsichtbare Größe für einen Rezipienten der traditionellen Medien.

via www.forschungsgruppe.de (Stand: 10.08.2009)
via www.forschungsgruppe.de (Stand: 10.08.2009)

Xing: Businessnetzwerk, das zur Bundestagswahl seine Mitgleider befragt, wie sie Wählen werden, bzw. wollen. Nach einem Sturmlauf von Piratenanhängern auf dem Xing-Blog, warum denn die Piratenpartei nicht mit aufgeführt sei, hat sich Xing mit einwöchiger Verspätung dazu entschieden, die Piratenpartei mit aufzuführen. Und siehe da, nach einer Woche haben die Piraten die größte und aktivste politische Gruppe auf Xing und führen das Wahlbarometer mit derzeit etwas über 70 % deutlich an:

via www.xing.com (Stand: 10.08.2009)
via www.xing.com (Stand: 10.08.2009)

Studivz: Studenten- und Schülernetzwerk, dass sich auch der Bundestagswahl verschrieben hat. Politiker aller Lager versuchen mit eigenen Edelprofilen die junge Generation von ihrem Fortschrittsdenken zu beeindrucken, aber auch hier ist die Piratenpartei mit ca 30 % mit Abstand die populärste Partei:

via www.studivz.net (Stand: 10.08.2009)
via www.studivz.net (Stand: 10.08.2009)

Zeit.de (Nachtrag): Auf der online-Präsenz der Zeitung "Zeit" ist eine weitere Umfrage geschaltet, auch hier dominiert die Piratenpartei deutlich. Von 816 abgegebenen Stimmen holen die Piraten 483 und damit 59 %. Es wird wohl online kein Ergebnis geben, das nicht von den Piraten dominiert wird:

via www.zeit.de
via www.zeit.de

Jetzt mögen viele denken, ja das ist auch ganz logisch, denn das Internet ist ja Piratenland, was im Prinzip auch stimmt. Aber ich finde es dennoch erstaunlich, dass die etablierten Parteien es nicht schaffen, ihre Anhänger online zu mobilisieren, obwohl die zahlenmäßige Überlegenheit gegenüber den Piraten erdrückend ist.

 

Ich spare mir weitere Spekulationen über den Ausgang der Wahlen im September, aber ich denke, dass die Piraten im Ergebnis nicht unter "Sonstige" aufgeführt werden, was denkt ihr?

Kommentar schreiben

Kommentare: 3
  • #1

    Turbo (Montag, 10 August 2009 19:28)

    ich denke die piratenpartei erreicht als einzige partei die wähler zwischen 16 und 20. und das eben weil diese wähler eine neue generation sind, die starkes interesse in der digitalen welt hat und mit dem internet aufgewachsen ist.
    die piratenpartei scheint die einzige partei zu sein, die neue politische ansätze bietet und das internet nicht nur als rechtsfreien raum deklariert, der überwacht und zensiert werden sollte.
    auch wenn sie zu themen wie rente z.B. vielleicht keine meinung vertreten, aber das interessiert die jungen wähler auch noch nicht.
    und die grünen haben ihre ersten wähler auch nur mit einem thema bekommen, welches wohl jeder kennen sollte.
    außerdem sieht man hier, dass die junge generation gar nicht so politikverdrossen ist, wie es immer überall heißt.
    vielleicht gab es nur noch keine partei, die ihr interesse geweckt hat?!

  • #2

    Moritz (Montag, 10 August 2009 21:14)

    "In dieser Umfrage läuft die Piratenpartei "noch" unter den 6 % für "Sonstige" mit. Damit sind sie eine unsichtbare Größe für einen Rezipienten der traditionellen Medien." ist ein guter Punkt... das ist die große Schwaeche der Piraten: Die Sichtbarkeit bei den Rezipienten der traditionellen Medien -> der tranditionellen Meinungsmacher.

  • #3

    Torsten Schreiber (Donnerstag, 13 August 2009 12:07)

    Hallo Dirk,

    danke zunächst für diesen interessanten Beitrag. Ich glaube nicht, daß man das so einfach in tradiotionelle und neue Medien aufteilen kann. Bei Xing haben wir in nur 6 Tagen 2.500 Mitglieder generiert. Die klassischen Parteien haben ebenfalls Gruppen bei Xing aufgebaut, allerdings hatten diese 6 Wochen mehr Zeit für den Gruppenaufbau und haben einen Bruchteil an Zulauf im Vergleich zu der Gruppe der Piraten.

    Das Clientel bei Xing ist aber keinesfalls zwischen 16 und 20. Bei Xing sind die Mitglieder eher genau das Clientel der traditionellen Parteien.

    Die Chance das Medium, in denen die Piraten auch ihre Kernthemen sehen auch aktiv zu nutzen werden noch nichteinmal organisiert genutzt. Daran arbeiten wir gerade.

    Das Internet verändert alle Bereiche unserer Gesellschaft und daher brauchen wir neue Antworten auf neue Fragen. Und die sind sicher nicht Zensur und Internetsperre.

    Die Erungenschaften des Internets und des freien Zugangs zur Information fern ab von Lobbyisten und Verlagsmedien bietet uns als Gesellschaft viele Herausforderungen.

    Diese sollten auch von Menschen bewertet werden die wissen was ein "Browser" ist.

    Liebe Grüße
    Torsten Schreiber
    Pirat und Mitmoderator Xing/ facebook-Gruppe der Piratenpartei Deutschland