Was herrscht im Internet? Demokratie oder Anarchie?

Das Internet organisiert sich, sogar in Form einer Partei. Aber könnte diese Partei überhaupt in einem Deutschen Bundestag überleben? Im Internet, aus dem die Partei erwacht ist, regiert eine andere Herrschaftsform, als die deutsche Demokratie. Nur was?

 

Nur zur Klarstellung: Ich bin kein Parteimitglied und bin nicht auf Stimmenfang für irgendeine Partei.

Im Netz herrschen andere Spielregeln, als in der traditionellen deutschen, schwedischen, oder amerikanischen Politik, wie wir sie kennen. Welchen Wirkungskreis das Internet mittlerweile erreicht hat kann man im Alltag immer wieder feststellen. Selbst wenn man nur die seriöseste aller Nachrichtensendungen im Fernsehen anschaut: Die Tagesschau. Für weitergehende Informationen zu bestimmten Themen wird eindringlich auf die eigene Homepage verwiesen, danach noch ein Beitrag über die neuesten Youtube Videos aus dem Iran gezeigt und dann ein Bericht über die Piratenpartei gebracht.

Also, das ist wohl mal Fakt.

Innerhalb der Grenzen dieses Mediums formiert derzeit die letztgenannte Partei. Sie weiß noch nicht so genau, wie das alles funktionieren soll, weil es wesentliche Unterschiede zur traditionellen Politik der etablierten Parteien gibt:

 

1. Nationalgrenzen verlieren innerhalb des Internets an Kraft: Grenzbäume gibt es nicht und höchstens die Sprache kann eine Grenze im Internet sein. Daraus resultiert, dass es im Internet keinen souveränen Staat geben kann, der innerhalb seiner Grenzen die Herrschaftsgewalt ausübt.

 

2. Seilschaften und "in Machtverhältnisse hineingeboren werden" funktioniert im Internet nicht:

Klüngel gibt es natürlich auch im Internet. Im Klartext: wer viele Leute in dem Business kennt, der hat ganz klare Vorteile, ABER wenn er nicht selbst daran arbeitet, seine eigene Reputation im Internet hoch zu halten und dabei positiv zu gestalten, der ist schnell weg vom Fenster. Eintagsfliegen sind schneller vergessen, als man klicken kann. Wer nicht aktiv ist, der wird nicht wahrgenommen.

Wer hingegen aktiv ist und dazu noch gute Ideen hat, der ist goldrichtig im Internet aufgehoben und es wird auch respektiert.

 

3. Der Aufbau einer Person zum Spitzenkandidaten nimmt im Internet einen anderen Verlauf, als in der Politik:

Der Aufbau einer Person/Reputaion erfolgt eher als ein kontinuierlicher Prozess. Es ist kein abgekartertes Rochade Spiel wie in der traditionellen Politik. Vielleicht sollte ein Spitzenkandidat per "Crowdsourcing" bestimmt werden...

Das birgt große Chancen und wirft die Frage meiner Überschrift auf:

 

Was herrscht im Internet? Demokratie oder Anarchie?

Um die Frage kurz zu beantworten: Nichts von beiden!

Im Internet greifen andere Machtmechanismen. Für mich heißt die Antwort: Meritokratie.

Ich weiß nicht wie viele von euch dieses Wort zum ersten Mal lesen, ich habe es vor einem halben Jahr gelernt. Hier der Link zum Wikipedia-Artikel zu Meritokratie und noch eine kurze Definition von www.socionet.de:

 

Meritokratie: "Herrschaft der Verdienten". Meritokratie ist kein wissenschaftlicher Begriff; er meint, daß die Besten an der Spitze der Gesellschaft stehen sollten. Leider weiß man nicht, wer nach welchen Maßstäben bestimmen soll, wer "die Verdienten" sind."

Dessen muss man sich bewusst sein, gerade in Bezug auf die Bundestagswahlen im Herbst. Ich glaube, dass die Piratenpartei das Potential hat, um auf 0,5 - 5 % der Wählerstimmen zu kommen. Den besten online Wahlkampf werden sie mit Sicherheit haben.

Das die Partei selbst noch nicht ganz genau weiß, wie sie mit der Politik umgehen soll kann man sehr schön auf einem Video zum ersten Parteitag der Piratenpartei in Berlin sehen (siehe Video via: spiegel.de)

Das Video unten ist das Wahlvideo zur Europawahl...um mal eine Vorstellung von politischen Zielen zu bekommen.

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Kommentare: 3
  • #1

    Jens (Dienstag, 11 August 2009 11:24)

    Netter Beitrag, aber im Internet ist vor allem auch noch die Form der Do-Ocracy stark verbreitet. Dieser Aspekt ist m.E. wichtiger als die Meritokratie. Wobei eine Schnittmenge von beidem auch existiert.

    http://www.communitywiki.org/en/DoOcracy

  • #2

    Dirk (Dienstag, 11 August 2009 11:55)

    Moin Jens,
    den Begriff "Do-Ocracy" kannte ich noch nicht, ist auch ein guter Ansatz. Soweit ich das verstanden habe, kann jeder der gewillt ist etwas zu tun dies auch machen. Ich persönlich lege nicht viel wert auf formale Ausbildungsbescheinigungen, so lange die Person den Job dann auch gut macht. Wenn dann aber jemand kommt der besser qualifiziert ist UND Bock hat den Job zu machen sind wir bei einem Mittelding zu Meritokratie.
    Für mich zeichnet sich Meritokratie auch dadurch aus, das die Leute "in charge" am aktivsten sind was ihre Arbeitsfelder angeht, also ähnlich Do-Ocracy.

    Auf jeden Fall sind beides bessere Ansätze als die traditionelle Politik.
    Gruß Dirk

  • #3

    Dirk (Freitag, 06 Mai 2016 09:08)

    Hallo