Stell dir vor es ist Europawahl und keiner geht hin

Europäisches Parlament
Europäisches Parlament

Ein Nachtrag zur Europawahl: Es ist noch keine Woche her, aber für mich scheint es schon wieder eine Ewigkeit zu sein, das ein neues Europaparlament gewählt wurde, soviel zur Halbwertzeit von Nachrichten.

 

Für die Interpretation der Überschrift braucht man keine große Vorstellungskraft, denn mit 43,3% Wahlbeteiligung (Wahlbeteiligung im Iran lag bei über 70%) ist kein Blumentopf zu gewinnen.

Ich habe mich gefragt, warum es so wenig Menschen interessiert, was in Europas Parlament eigentlich passiert und wer drin sitzt.

Zu meinem Hintergrund, ich habe Politik studiert und sogar eine Prüfung über die Organe der EU gehabt, trotzdem kann ich nicht genau sagen, welche politischen Kompetenzen das Europäische, welche das Nationale und welche das Parlament der Bundesländer hat. Und das mit einem politikwissenschaftlichem Hintergrund, wer soll es denn dann wissen? Vielleicht sollte ich es wissen, aber für mich war und blieb das Konstrukt EU ein Rätsel. Ich weiß welche die wichtigsten Institutionen (Rat, Parlament und die Kommission) sind, aber welche Entscheidungen getroffen werden und wie diese mein alltägliches Leben tangieren weiß ich nicht.

Wie soll man von den Wählern erwarten, das ein Interesse an der Wahl besteht, wenn man nicht weiß für was man eigentlich wählt?!

 

Des Problems Lösung: Kommunikation abseits der leeren Worthülsen und nichtssagenden Werbeplakate, die zwar an jeder Ecke stehen, aber doch kaum jemandem wirklich wahrgenommen werden.

Veranschaulichen möchte ich das an dem Dilemma der EU Kandidaten: Wen wähle ich eigentlich wenn ich mein Kreuz bei XY setze? Den einzigen EU Kandidaten den ich sofort benennen und einer Partei zuordnen könnte ist eine Frau und die Kandidatin der FDP. Das mag daran liegen, dass Frau Koch-Mehrin mehr Ausstrahlung besitzt als die anderen Kandidaten. Bei den restlichen Parteien frage ich mich, warum ist z.B. Angela Merkel für die CDU abgebildet und nicht der Kandidat den ich wählen soll? Für was steht der Kandidat eigentlich, laut Programm und persönlich?

 

Die richtige Kommunikation mit dem Wähler hinkt und darauf ist das schlechte Wahlergebnis zurückzuführen. Wenn ich nicht weiß für was ich wähle und wen ich wähle, warum soll ich dann wählen?

 

Den Ansatz einer ARD Sendung in der sich Abgeordnete live den Fragen der Zuschauer gestellt haben fand ich von der Idee her sehr gut, diese Herangehenweise sollte im Mittelpunkt einer Wahlkampagne stehen. Die Parteien sollten sich den Wählern gegenüber öffnen und sich auch dem persönlichen Diskurs stellen. 

 

Man kann es vergleichen mit traditionellen Unternehmen, die nach außen nur glatt geschliffene Logos und Meinungen kommunizieren, das funktioniert nur leider in einer digitalen Gesellschaft nicht mehr so gut. Die Menschen wollen etwas anderes sehen, vielleicht etwas mehr Persönlichkeit. Das Wahlkampfbudget von zig Millionen Euro kann man auf jeden Fall effektiver einsetzen, als Plakate aufzustellen und Spots zu schalten...

 

Ich war trotzdem wählen, um mir mein Recht auf Kritik zu wahren.

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